Wir begrüßen Sie auf dem Internetauftritt des neuen Minigraduiertenkollegs (MGRK) „Die ästhetischen Erfindungen der Ökologie um 1800“. Wir erforschen ökologisches Denken in ästhetischen Kontexten zwischen 1750 und 1850 und wollen das Verständnis für die Rolle des Ästhetischen bei der Gestaltung vielfältiger Ökologien der Epoche vertiefen. Unsere Mitglieder untersuchen im Rahmen von Promotions- und Postdoc-Arbeiten die Verbindung von Kultur und Natur durch Musik, bildende Kunst und Literatur und sind so Teil einer interdisziplinären Initiative für Umweltwissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.
2. Jahreskonferenz zu „Sympoiesis. Zeit-Ökologien in Kunst und Natur um 1800“: Call for Papers und Save the Date
Mittwoch, 30. September – Freitag, 02. Oktober 2026
Erbacher Hof, Mainz
Einsendeschluss: 15. März 2026
Kontakt: Prof. Dr. Wedekind und Camille Theisinger
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2nd Annual Conference on “Sympoiesis. Temporal Ecologies in Art and Nature Around 1800“: Call for Papers and Save the Date
Wednesday, September 30 – Friday, October 2, 2026
Erbacher Hof, Mainz
Submission Deadline: March 15, 2026
Contact: Prof Dr Wedekind and Camille Theisinger
Round Table „Natur und Ökologie in den Sozial- und Geisteswissenschaften“
Mittwoch, 06. Mai 2026, 18 – 20 Uhr; Veranstaltungsort: Learning Future Laboratory (LeaF.Lab), JGU Mainz
Welche Rolle besitzen die Kultur-, Geistes- und Sozialwissenschaften mit Blick auf aktuelle
Fragen der Ökologie, des Klimawandels und des Anthropozäns? Das Round Table bringt
Wissenschaftler:innen unterschiedlicher Fachrichtungen miteinander ins Gespräch und fragt
nach ihren jeweiligen Zugängen zu Begriffen der Natur, der Ökologie und der Umwelt. Haben
die Sozial- oder die Geschichtswissenschaften jeweils unterschiedliche Naturbegriffe und wie
unterscheiden sie sich von empirischen Zugängen der Naturwissenschaften? Welchen Beitrag
können sie zu drängenden Fragen der gegenwärtigen ökologischen Krisen liefern, die doch
unmittelbares Handeln zu erfordern scheinen?
organisiert in Zusammenarbeit mit Sustainable University Mainz (Sunny)
Kontakt: Dr. Oliver Völker
Workshop Nonhuman Agency im vormodernen Bild – ökokritische Perspektiven
Donnerstag, 29. Januar – Freitag, 30. Januar 2026
Georg Forster-Gebäude, Raum 02.511 und via Zoom
Kontakt: Camille Theisinger und Marie Luise Geißler
Jubiläums-Wochenende: 25 Jahre Museum Giersch, 10 Jahre Teil der Goethe-Universität
Sa., 29.11.2025
18 Uhr – Kunst und Wissenschaft im Gespräch: Transformation von Landschaft
- Prof. Dr. Marcus Maeder (Künstler, Professor an der Hochschule Luzern – Design Film Kunst)
- Prof. Dr. Antje Schlottmann (Professorin für Geographie und ihre Didaktik, Goethe-Universität Frankfurt)
- Tatiana Vdovenko (Künstlerin, Frankfurt)
- Dr. Oliver Völker (Literaturwissenschaftler, Johannes-Gutenberg Universität Mainz)
Anmeldung & Information
+49 (0) 69 13 82 101-22
anmeldung@mggu.de
1. Jahreskonferenz zu „Aggregatzustände des Natürlichen in den Künsten um 1800“
Donnerstag, 25. September 2025 – Freitag, 26. September 2025
Johann-Friedrich-von-Pfeiffer-Weg 2, 55128 Mainz
Stiftungsgebäude, Raum STH 12
Kontakt: Dr. Oliver Völker
Workshop mit Dr. Dalia Nassar (University of Sidney) und Vortrag zu:
„Germaine de Staël and Karoline von Günderrode on our Moral Relation to Nature“
Donnerstag, 08. Mai 2025, 14:00 – 18:00 Uhr
Georg-Forster-Gebäude, Raum 01.314
Das MGRK widmet sich Verbindungen zwischen Ökologie und Ästhetik zwischen 1750 und 1850, indem es ökologische Problemstellungen in ästhetischen Kontexten analysiert, bevor die Kluft unterschiedlicher Wissenschaftskulturen im 19. Jahrhundert wirksam und der Begriff Ökologie von Ernst Haeckel 1866 definiert wurde. Ziel ist es, den Stellenwert des Ästhetischen an der Herausbildung einer Vielfalt an Ökologien um 1800 herauszuarbeiten. Die Künste um 1800 zielen auf die Bewusstwerdung von Wechselwirkungen zwischen Kultur und Natur in Umwelt, sozialen Beziehungen und menschlicher Subjektivität. Die Künste entwickeln ein Verständnis, in dem Natur zum Raum ästhetischer Erfahrung und die Verschränkung von Mensch und Natur sichtbar wird.
So finden sich in den Musikästhetiken der Zeit Perspektiven, die alle Dinge der Welt im Sinne eines symphonischen ›Welt-Klangs‹ vereinen, während sich das hörende Selbst in diesen Klängen auflöst. In der bildenden Kunst erfolgt der Aufstieg der Landschaftsmalerei zur neuen Leitgattung. Die literarische Romantik erscheint ebenfalls als komplexes Feld ästhetischer Experimente. Während für die Anglistik Reaktionen auf die Industrielle Revolution im Zentrum stehen, die künstlerische Positionen zwischen Nostalgie und Klassenkampf hervorbringen, ist für die Germanistik die Auseinandersetzung mit der Naturphilosophie des Deutschen Idealismus zentral. Diese verwandelt traditionelle Makrokosmos-Mikrokosmos-Relationen über eine Poetisierung der Wissenschaften in mehr-als-menschliche Wechselverhältnisse zwischen Anorganischem und Organischem.
Im Rahmen des MGRKs werden somit die ökologischen Dimensionen des in Literatur, der bildenden Kunst und der Musik gleichermaßen virulenten Landschaftsbegriffs profiliert und die damit verbundene Krisenreflexionen der Moderne um 1800 und die zunehmend prekärer werdenden Mensch-Umweltbeziehungen aufgezeigt. Das Vorhaben zielt in der interdisziplinären Zusammenführung von Kunst-, Literatur- und Musikwissenschaft über die Methode des Ecocriticism auf die Etablierung einer Forschungsplattform Environmental Humanities an der JGU, die mit bereits bestehenden Initiativen verknüpft werden soll und sich als Beitrag zur JGU-Initiative »Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung« versteht.

E-Mail: voelkero@uni-mainz.de
Arbeitstitel: Romantische Hydrosphären. Lyrik und die Figur des Wasserkreislaufs
Projektbeschreibung:
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bildet sich in der Meteorologie ein Verständnis darüber aus, wie die verschiedenen Erscheinungsformen und Aggregatzustände von Wasser einen globalen und zusammenhängenden Kreislauf bilden: die Hydrosphäre. Unter Bezug auf Positionen der Blue Humanities beschreibt das Projekt die besondere Rolle dieses Modells für die Lyrik und den Naturbegriff der europäischen Romantik. Anhand von Goethe, Novalis, Percy Shelley, Hugo und anderen argumentiere ich, dass der Übergang und die Verbindung von unterschiedlichen Zuständen oder Prozessen des Wassers die Poetiken romantischer Lyrik sowie deren Konzeption rhetorischer Tropen wie Metapher und Analogie prägen. Gleichzeitig nimmt die Figur des Wasserkreislaufs in Naturphilosophie und Ästhetik sowie Meteorologie und Chemie um 1800 eine entscheidende Rolle ein. Indem Wasser keine gleichbleibend starre Form aufweist – als Kontaktmedium fungiert und Verbindungen zwischen mitunter disparaten Räumen stiftet –, steht es im Zentrum eines sich wandelnden Naturbegriffs, der von räumlichen Konfigurationen auf Zeitlichkeit, Wandel und Prozessualität umschaltet, dabei aber zugleich eine Erweiterung von Raumvorstellungen bis hin zum Modell einer globalen Hydrosphäre bedingt.
E-Mail: bjakob@uni-mainz.de
Arbeitstitel: Enclosure Came and Trampled on the Grave: Romantic Terraforming in the Context of Aesthetics and Ecology
Projektbeschreibung:
My dissertation project seeks to bridge the gap between scholarship of Romanticism and the Anthropocene. It focuses on an outline of how Great Britain’s Romantic literature read in the context of aesthetics and ecology can contribute to a better understanding of present and future challenges. This includes the devastating climate catastrophe and the shift in attitudes towards power imbalances between human and non-human actors.
Scholars of Romantic ecocriticism have already highlighted the emphasis that privileged classes placed on the sublime beauty of nature as evidence for a divine creator. Yet, previous research has been overwhelmingly focused on interrogations of pastoral nature writing and/or on how humans shape and influence their environment. It is only recently that scholars have begun to dissect the relationship between human and non-human entities as equal actors (cf. Bewell, Rigby, Ritvo, Morton). My thesis aims to extend this scholarship with an approach rooted in ecocritical (cf. Schimelpfenig, Wood), feminist (cf. Gilbert and Gubar, Mellor, Nichols, Rowland), and new materialist (cf. Barad, Haraway, Latour, Morton) readings. With the timeframe being around 1800, the project is situated before the division of the Natural Sciences into new, mostly independent, disciplines. The holistic approach I propose in my project highlights the interconnectedness of humans with both their living and non-living environment, thereby complementing my research formally as well.
Two important keywords at the heart of my thesis are ‘landscape’ and ‘mindscape’. I place the former within the framework of what I term ‘Romantic terraforming’. Parts of my thesis will thus feature a dive into literary (and mostly poetic) reactions to the enclosure movement that saw the privatisation and redistribution of formerly common spaces used for farming and livestock in a series of political acts. While this practise is not unique to Romanticism, the context of the Industrial Revolution accelerated the loss of commonly used land. That age of progress and the rise of consumerism, urbanisation, and population growth made big-scale organised agriculture vital to ensure there’d be enough food to sustain demands for resources. Yet, it deepened the divisions between the land-owning classes and the ones working it and led to an increase in economic and political power imbalances.
In terms of the ‘mindscape’, I aim to look at how general factors (class, gender, and the political and economic realities) and individual responses to them affect the way that nature, and the human place within the macrocosm of living and non-living entities, are presented. The thesis will include works by John Clare, Mary Shelley, Charlotte Turner Smith, and William Wordsworth.
E-Mail: ctheisin@uni-mainz.de
Arbeitstitel: Pflanzen_formen.
Projektbeschreibung:
An der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft, Sammlungspraxis und Naturgeschichte sind Pflanzenbilder zwischen 1750 und 1850 als Teil eines komplexen gesellschaftlichen Gefüges ihrer Zeit zu verstehen, in dem sich künstlerische Formung und epistemologische Bedeutung eng miteinander verbinden. Pflanzen werden dabei nicht allein hinsichtlich ihrer botanischen Merkmale dargestellt, sondern zugleich in unterschiedliche kulturelle, wissenschaftliche und ästhetische Zusammenhänge eingebunden.
Im Rahmen dieses Dissertationsprojekts soll der Frage nachgegangen werden, welches Wissen über Pflanzen durch künstlerische Darstellungen vermittelt wird, welche Rolle die jeweilige Darstellungsform bei der Vermittlung dieses Wissens spielt und welche Verhältnisse zwischen Mensch, Natur und Kunst sich daraus ergeben. Im Mittelpunkt steht dabei die Annahme, dass die künstlerische Form nicht lediglich als Mittel zur Übertragung eines bereits bestehenden Wissens zu verstehen ist, sondern selbst daran beteiligt ist, wie Pflanzen wahrgenommen, verstanden und in größere Zusammenhänge eingeordnet werden.
Mit Mary Delany (1700–1788) ist eine erste künstlerische Position zur Untersuchung des Themas bereits gefunden. Neben ihren früheren Arbeiten in Aquarell, Öl und Stoff sind insbesondere ihre späteren Papiermosaike für die Frage nach dem Verhältnis von botanischer Beobachtung, künstlerischer Gestaltung und Materialität von Bedeutung. Die kleinteiligen, aus farbigem Papier zusammengesetzten Blumen- und Pflanzenfiguren verbinden eine intensive Auseinandersetzung mit pflanzlichen Formen mit einer eigenständigen künstlerischen Konstruktion und werfen damit die Frage auf, wie botanisches Wissen durch die spezifische Technik der Collage geformt und vermittelt wird.
Neben Delany sollen Arbeiten Philipp Otto Runges und Anna Atkins’ untersucht werden, an deren Oeuvre sich unterschiedliche Herangehensweisen einer künstlerischen Auseinandersetzung mit Pflanzen nachvollziehen lassen. Bei Runge stehen dabei neben seinen Pflanzenzeichnungen insbesondere die Scherenschnitte und die Zeiten im Mittelpunkt. Seine theoretischen Überlegungen, vor allem zu Arabeske und Hieroglyphe, werfen die Frage auf, wie aus Pflanzenformen ein ästhetisches und erkenntnistheoretisches Prinzip werden kann. Anna Atkins’ Cyanotypien bilden schließlich den dritten zu untersuchenden Werkkomplex, bei dem der Pflanzenkörper selbst durch das Verfahren des Photogramms an der Entstehung des Bildes beteiligt ist.
Durch die Gegenüberstellung dieser unterschiedlichen künstlerischen Positionen und Medien soll untersucht werden, wie sich Vorstellungen von Pflanze, Natur und Wissen in unterschiedlichen Bildformen konstituieren und welche Bedeutung dabei dem jeweiligen künstlerischen Verfahren zukommt.
Die Fragestellung ist zugleich an aktuelle Ansätze der Ökokritik und der Environmental Humanities anschlussfähig. Dazu soll untersucht werden, welche historischen Vorstellungen von Natur, pflanzlichem Leben und Mensch-Natur-Beziehungen in den untersuchten Bildern sichtbar werden. Die Arbeit versteht sich damit als Beitrag zu einer historischen Perspektivierung ökokritischer Fragestellung, die sich für künstlerische Ausdrucksformen ökologischen Denkens (noch vor Etablierung des modernen Ökologiebegriffs durch Ernst Haeckel) interessiert.
E-Mail: melena@students.uni-mainz.de
Arbeitstitel: Atmosphärologien um 1800
Projektbeschreibung:
Der Begriff der Atmosphäre kann im deutschen Sprachgebrauch bis in das späte 17. Jahrhundert zurückverfolgt werden und bezieht sich zunächst auf physikalische Vorstellungen einer die Erde umgebenden Lufthülle. Um 1800 erfährt er allerdings eine Bedeutungserweiterung, die ihn um Überlegungen zum Hauch, Atem, Duft, Aura und Milieu ergänzt und das ‚natürliche‘ Phänomen z. B. ins Psychologische und Soziologische ausdehnt. Während die unterschiedlichen Aspekte des Atmosphärischen gegenwärtig in differenzierten Disziplinen betrachtet werden, fällt seine Begriffsentwicklung in eine Zeit, in der Natur- und Geisteswissenschaften noch nicht voneinander getrennt wurden. Dabei handelt es sich zugleich um den Zeitraum, in welchem die Grundsteine für die modernen Naturwissenschaften gelegt werden, als deren Gegenstand sich auch verschiedene Konzepte von Atmosphäre fassen lassen. Die Zeit um 1800, insbesondere die Romantik, versteht sich dabei als eine solche, in der poetische, mythologische und magische Quellen nicht nur als vollwertige Beiträge zu den naturwissenschaftlichen oder naturphilosophischen Diskursen gelten, sondern besonders dort eine Aufwertung erhalten, wo der Interessensgegenstand nicht allein mit empirischen und verständigen Mitteln zu erfassen ist. Atmosphäre als teils unsichtbares und nebulöses Phänomen, so deuten die verschiedenen Bedeutungsdimensionen an, scheint an beiden Wissensbeständen zu partizipieren.
Bei Friedrich von Hardenberg alias Novalis, der über das Allgemeine Brouillon und andere naturphilosophische Texte hinweg eine Lehre der Atmosphäre entwirft, kommt die Vielschichtigkeit des Phänomens besonders eindrücklich zur Geltung. Seine Atmosphärologie verbindet Kosmologie, Meteorologie und Denklehre mit den physikalischen und biologischen Funktionen und Bedingungen des Lebensatems, wodurch Atmosphäre als etwas Synthetisierendes sowie als Medium verschiedenster komplexer Wechselwirkungen herausgestellt wird.
Atmosphäre als ein solches System organischer, anorganischer wie metaphysischer (Wechsel-)Beziehungen zu verstehen, begründet das Anliegen des Dissertationsprojekts Atmosphärologien um 1800, welches philosophische wie literarische Texte der Zeit um 1800, insbesondere der Romantik, nach ihren Konzeptionen von Atmosphäre, ihrer Ästhetik sowie ästhetischen Produktivität befragt.
Im Fokus der wissenspoetologisch und ökokritisch agierenden Untersuchung stehen z. B. Prosa und Lyrik von Novalis, Karoline von Günderrode, Caroline de la Motte Fouqué und Bettina von Arnim, deren Atmosphärologien durch textnahe Analysen herausgearbeitet werden sollen. Das Ziel der Analyse ist das Herausstellen ihrer spezifischen Bedeutsamkeit für den Atmosphäre-Diskurs und die Beleuchtung des Facettenreichtums der Atmosphärologien. Mit einem neu-materialistischen und posthumanistischen Zugriff interessiert sich das Vorhaben besonders für die Rolle mehr-als-menschlicher Entitäten in der Literatur und möchte damit dem Desiderat einer umfassenden und systematischen Auseinandersetzung mit Atmosphäre im dargelegten Zusammenhang nachgehen.
E-Mail: daddonaf@uni-mainz.de
Arbeitstitel: Das Idyllische in der Romantik
Projektbeschreibung:
In der deutschen Romantik ist die literarische Idylle, im Gegensatz zum 18. Jahrhundert, nicht mehr als autonome Gattung produktiv. Dennoch lassen sich in romantischen Texten gehäuft Verfahren, Motive, Topoi und Intertexte erkennen, die dem von der Gattung abgrenzbaren Idyllischen zuzuordnen sind. Dies wirft die Frage nach seiner Funktion in der Poesie der Romantik auf und eröffnet zugleich zwei Forschungsdesiderate: Zum ersten ist die Unterscheidung zwischen der Idylle als Gattung und dem Idyllischen, wie sie in der Idyllenforschung etabliert wurde, für die Romantik anschlussfähig, aber noch nicht systematisch untersucht. Das Dissertationsvorhaben setzt hier an und geht zunächst der Frage nach, in welchen Texten der romantischen Poesie das Idyllische eine systematisch relevante Funktion übernimmt und wie es sich dabei in verschiedenen paradigmatischen Feldern aktualisiert. Zum zweiten wurde bisher wenig untersucht, dass das Idyllische auch, wie sich u.a. an Schriften von Novalis und Friedrich Schlegel zeigen lässt, auf Gattungsreflexionen der Romantik zurückgeht. Diese Gattungsreflexionen münden nicht nur in die Prosa des Realismus, sondern zunächst in den Kontext der romantischen progressiven Universalpoesie, deren hybridisierender Charakter einem zentralen Strukturprinzip der Gattung Idylle widerspricht, nämlich der Grenzziehung durch Praktiken der Ausschließung. Dies ist ein weiteres Argument für die Verschiebung von der Idylle zum Idyllischen, führt aber auch zu der Frage: Wie wirkt sich diese Verschiebung auf zentrale Strukturprinzipien der Idylle aus?
Dabei ergeben sich Bezüge zur Ökologie, die ein paradigmatisches Feld darstellt, in dem sich Idyllisches in der Romantik aktualisiert. Mit Blick auf die Gattungsgeschichte wird deutlich, dass Idyllen nicht bloß Naturverhältnisse nachahmen, sondern stets auf ihren eigenen Konstruktionscharakter verweisen. Daher erfordert die Analyse ökologischer Dimensionen von Idyllen eine Berücksichtigung der Artifizialität idyllischer Naturräume. Diese sind nicht allein im Hinblick auf die Darstellung von Natur zu analysieren, sondern immer auch im Kontext der metapoetischen Dimension der Idylle, die auf ihre eigenen Entstehungsbedingungen verweist. Für die Romantik gilt es zu zeigen, wie sich das Auflösen der Gattung auf dieses Strukturprinzip auswirkt. Dabei stellt sich die Frage, inwiefern Idyllisches in romantischen Texten an der Organisation ökologischer Konstellationen beteiligt ist. Aus einer Perspektive der Wissenspoetologie, an denen das Dissertationsvorhaben methodisch anschließt, wird untersucht, inwiefern das Idyllische zur Konstitution eines ökologischen Wissens der Romantik beiträgt und dabei in Austauschprozesse mit Aspekten der Wissenschafts- und Wissensgeschichte um 1800 tritt.
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Fachbereich 05 – Philosophie und Philologie
Deutsches Institut
Neuere Deutsche Literaturgeschichte
Jakob-Welder-Weg 18
55128 Mainz
Raum 02-922
Telefon +49 6131 39-22575
Fax +49 6131 39-23366
Email: thums@uni-mainz.de
Homepage: Barbara Thums | Deutsches Institut
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Fachbereich 05 – Philosophie und Philologie
Department of English and Linguistics
English Literature and Culture
Jakob Welder Weg 18
55128 Mainz
Raum 01-573
Tel: +49 6131 39-22145
Email: emigr@uni-mainz.de
Homepage: Rainer Emig | Department of English and Linguistics
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Hochschule für Musik Mainz
Jakob-Welder-Weg 28
55128 Mainz
Telefon +49 6131 39 28018
Email: immott@uni-mainz.de
Homepage: Immanuel Ott | Hochschule für Musik Mainz
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Fachbereich 07 – Geschichts- und Kulturwissenschaften
Institut für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft (IKM)
Jakob-Welder-Weg 12
55128 Mainz
Georg Forster-Gebäude
Raum 01.224
Telefon +49 6131 39-302.39
Email: gregor.wedekind@uni-mainz.de
Homepage: Gregor Wedekind | Institut für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft